Senegal: Frauen engagieren sich für Frieden in der Casamance

Seit 30 Jahren leiden die Menschen in der Region Casamance im Süden Senegals unter einem gewaltsam ausgetragenen Konflikt. Immer wieder kommt es zu vereinzelten Überfällen und Angriffen der Rebellengruppen auf die senegalesische Armee und die lokale Bevölkerung. Der WFD unterstützt die Partnerorganisation CRSFPC / USOFORAL bei ihrer Friedens- und Versöhnungsarbeit in dieser schwierigen Situation.

Leidvolle Geschichte
In der Region Casamance liefern sich senegalesisches Militär und Rebellengruppen der Bewegung der Demokratischen Kräfte der Casamance (Mouvement des Forces Démocratiques de la Casamance (MFDC) seit beinahe drei Jahrzehnten blutige Kämpfe. Ursprünglich wurde der Konflikt von der Idee einer unabhängigen Casamance motiviert und getragen. Nach Jahren der Auseinandersetzung wurde der Konflikt zu einem ökonomischen Überlebenskampf der beteiligten Akteure. In der Folge entstand eine regelrechte Kriegsökonomie in Form von Kleinwaffen- und Drogenhandel. Dies, und die Zersplitterung der Unabhängigkeitsbewegung MFDC in mehrere Untergruppen macht den Konflikt schwer durchschaubar. Die zahlreichen Akteure sind geographisch und politisch unterschiedlich positioniert; inzwischen bekämpfen sich Rebellengruppen auch untereinander.

Auch die benachbarten Länder spüren die Folgen des Konfliktes. Allein Gambia und Guinea-Bissau nahmen ca. 10.000 Flüchtlinge auf. Kehren die Flüchtlinge nach langer Zeit in ihre Heimat zurück, kommt es oft zu Konflikten um Landrechte. Die ständige Gefahr von Überfällen der Rebellengruppen oder gewaltsamen Reaktionen des Militärs hinterlassen in den Familien und Gemeinden tiefe Wunden. Auch wenn es in der Bevölkerung noch immer Ressentiments gegenüber der senegalesischen Regierung gibt, begegnet man auch den Unabhängigkeitskämpfern mittlerweile mit Unverständnis und Ablehnung. Nach Angaben des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR) sind in der Region über 60.000 Menschen vor der Gewalt geflohen oder wurden vertrieben; hunderte von Dörfern mussten aufgegeben werden, weil in ihrer Umgebung Minen gelegt wurden.

Notwendiger Dialog
Voraussetzung für einen stabilen Frieden sind Dialog und Versöhnung. Aber die Angst auf allen Seiten sitzt tief. Sie verhindert, dass die Menschen offen aufeinander zugehen und gemeinsam nach Lösungen suchen, z.B. wenn es um die Wiedereingliederung ehemaliger Kämpfer oder die Rückkehr von Flüchtlingen geht.


Miteinander reden ohne Angst

Erstes Ziel der Arbeit von CRSFPC/USOFORAL war es daher die Menschen zu ermutigen, ihre Ängste und Probleme zum Ausdruck zu bringen. Sensibilisierungsveranstaltungen in den Dörfern und partizipative Methoden wie Forum-Theater und Volksuniversitäten erlauben der Bevölkerung in angstfreier Atmosphäre ihr Leid und ihre Probleme zur Sprache zu bringen und selbst nach möglichen Lösungswegen zu suchen.


Friedenskomitees stärken die Gemeinschaft
Um den Friedensprozess auf Basisebene zu stärken, wurden unter anderem Friedenkomitees initiiert, die versuchen,  Konflikte auf lokaler Ebene gewaltfrei zu lösen. Dabei geht es unter anderem um Auseinandersetzungen um Landrecht und um die soziale Wiedereingliederung ehemaliger Guerillakämpfer. Das Projekt im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes konzentriert sich auf vier Regionen, die besonders vom Krieg betroffen sind. Es wendet sich an die Einwohner der Kommunen, an lokale Frauengruppierungen, die im Friedensbildungsprozess eine wichtige Rolle spielen, an ehemalige Unabhängigkeitskämpfer und ihre Familien, an Flüchtlinge und Kriegsopfer. Lehrer und Schüler, traditionelle Führer, kirchliche Autoritäten etc. wurden zu Fortbildungen eingeladen, um einen besseren Umgang mit schwierigen, konfliktträchtigen Themen zu lernen.

USOFORAL – Tun wir uns zusammen!

Partnerorganisation des Weltfriedensdienstes, der das Projekt personell und finanziell unterstützt, ist die Frauenorganisation "Comité Régional de Solidarité des Femmes pour la Paix en Casamance" – CRSFPC/Usoforal. Diese Nichtregierungsorganisation wurde 1999 von Frauen gegründet, die von der Notwendigkeit überzeugt waren, dass die Beteiligung von Frauen am öffentlichen Leben und deren Einbindung in Friedensbildungsprozesse wesentlich sind, um nachhaltigen Frieden in der Casamance herzustellen. Durch (Frauen) Bildungs- und Sensibilisierungsarbeit soll nicht nur der soziale und ökonomische Status von Frauen verbessert werden, sondern vor allen Dingen auf eine sozial gerechte und friedliche Welt in der Casamance hingewirkt werden. Dabei hat sich die Organisation bewusst den Untertitel "Usoforal" gegeben – es ist ein Wort aus der lokalen Diola-Sprache und bedeutet: TUN WIR UNS ZUSAMMEN!

Vielfältige Aktivitäten

Mit zahlreichen Aktivitäten sorgt USOFORAL dafür, dass die Menschen auf dem schwierigen Weg der Friedens- und Versöhnungsarbeit weiterkommen. Dies geschieht vorwiegend durch Fortbildungs- und Sensibilisierungsarbeit in gewaltfreien Formen der Konfliktbearbeitung. Die Schaffung von Friedenskomitees, die Förderung von Mediation in Schulen sowie die Selbstorganisation von Basisgruppen und die Netzwerkbildung von Fraueninitiativen sind weitere Maßnahmen, um den Friedens- und Versöhnungsprozess in der Region zu stärken.

Auch das Logo von CRSFPC/Usoforal setzt Zeichen: Frauenpower und ein herumgedrehter Armeehelm, in dem Reispflanzen wachsen.