06. Februar, Internationaler Tag „Stoppt Genitalverstümmelung!“
Guinea-Bissau: Erstes Urteil gegen Beschneiderinnen
Das Parlament Guinea-Bissaus hat im Juni 2011 ein Gesetz erlassen, das Genitalverstümmelung unter Strafe stellt. Der lokale Weltfriedensdienst-Partner DJINOPI (zu Deutsch: vorwärts, Leute!) war mit ihrer breiten und beharrlichen Mobilisierung maßgeblich an diesem Erfolg beteiligt.
Die Existenz von Gesetzen und ihre Durchsetzung sind in vielen afrikanischen Staaten zwei unterschiedliche Dinge. Als der Präsidentin von DJINOPI, Maria Domingas, eine Beschneidungszeremonie bekannt wurde, zeigte sie die drei Haupttäterinnen an und sorgte so dafür, dass es erstmals zu einem Prozess gegen Beschneiderinnen kam.
Trotz Morddrohungen gegen die Anzeigerstatterin und massivem Widerstand der örtlichen Behörden begann im Dezember 2011 in dem Provinzort Bafata eine Gerichtsverhandlung gegen die drei. Sie wurden für die Verstümmelung von vier Mädchen verantwortlich gemacht und zu Freiheitsstrafen von drei Jahren auf Bewährung, sowie zu Geldbußen verurteilt. Alle mussten ihre Messer abgeben. Das vorgesehene Strafmaß liegt bei drei bis neun Jahren.
Frau Domingas begrüßt das Urteil, da es auf der einen Seite zeigt, dass es die Regierung mit dem Gesetz ernst meint, andererseits bietet das milde Strafmaß eine Chance zum Dialog. Neben den Täterinnen wurden auch Angehörige der betroffenen Mädchen verurteilt und somit alle Beteiligten zur Rechenschaft gezogen. "Besonders das schnelle Urteil in diesem Fall ist beachtlich, sagt Frau Domingas."
In Guinea-Bissau werden jährlich ca. 2.000 Mädchen verstümmelt, die Sterblichkeitsrate ist hoch. Mindestens 80.000 Mädchen sind von dem Ritual bedroht. Für die BefürworterInnen unblutiger Rituale ist das Urteil ein großer Schritt nach vorne. Der Erfolg verdeutlicht, wie wichtig die Kooperation mit lokalen Organisationen ist. DJINOPI, ein lokales Netzwerk von drei Frauen- und Jugendorganisationen, leistet unverzichtbare Aufklärungsarbeit und hat, z.B. durch die Nutzung von Radio, eine hohe Reichweite. Der Weltfriedensdienst unterstützt mit seiner Arbeit die Abschaffung der weiblichen Genitalverstümmelung.
Weitere Informationen Guinea-Bissau - DJINOPI

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