Hilfe!
Liebe Freundinnen und Freunde,
von den WFD-Projektgemeinden sind vier betroffen. Am Schlimmsten ist es in Palmeiras, eine Favela, die sehr nahe an der Guanabara-Bucht liegt. Die Nachbargemeinde Marinha, ist ebenfalls schwer betroffen.Serpa und Salgueiro sind nicht direkt von der Flutwelle betroffen, stellen aber das “logistische Hinterland” für die Hilfe für die Opfer dar. Von hier aus wird die Sammlung der Hilfsgüter, vor allem Kleidung und Lebensmittel, aber auch Dinge des täglichen Bedarfs wie Windeln, Trinkwasser oder Zahnbürsten organisiert.
Schäden wie in den beiden erstgenannten Gemeinden hat es hier nicht gegeben. Samstag habe ich mit Jean, dem Pastor der Baptistengemeinde gesprochen, mit dem wir seit Jahren eng zusammenarbeiten. Er hat in seiner Kirche 460 Familien untergebracht, die dort auch versorgt werden. Fünf Tage und Nächte hat er nicht geschlafen.
In Marinha ist das Wasser am Samstag weitgehend zurückgegangen und die Menschen sind in ihre zerstörten Häuser zurückgekehrt, teils auf LKWs der brasilianischen Marine, teils zu Fuß. Das Wasser stand in den Häusern etwa 1,5 Meter hoch und hat alles zerstört, was an Möbeln, Betten, Hausrat in den Wohnungen war. Die Menschen haben ihre Habseligkeiten vor die Häuser zum Trocknen in die gelegentlich wieder durchscheinende Sonne gestellt. Am dringendsten fehlt es an Schlafunterlagen (wir haben von hier in Rio bereits eingegangenen Spenden dünne Matratzen – Schlafsackqualität – gekauft) und Decken zum Zudecken, da es kühler geworden ist. Wie die Versorgung mit Essen ist, weiß ich im Moment nicht. Die kleinen Lädchen, die es in den beiden Gemeinden gibt, aber auch die beiden großen Supermärkte in Alcantara völlig überflutet waren und alle Lebensmittelvorräte vernichtet wurden. Das Rote Kreuz hat Lebensmittel geliefert, aber es scheint so zu sein, dass nicht alle Betroffenen von dieser Hilfe erreicht werden konnten.
Palmeiras ist die Lage noch kritischer, da dort am Samstag das Wasser noch nicht ganz zurückgegangen ist. Die Entfernung zum “logistischen Hinterland” Salgueira/Serpa ist auch zu groß, um sich dort Hilfsgüter zu holen. Samstag haben wir deshalb einen LKW organisiert, mit dem Kleidung und Lebensmittel nach Palmeiras gebracht wurden. Die Hilfsmittel stammen aus Spenden, die bei CAMPO eingehen.
Nach Auskunft der Präfektur sollten die beiden Gemeinden evakuiert werden, aber das wird dauern, denn erstens wollen die Menschen nicht aus ihren Häuschen weg, zum andern müssen Unterkünfte gebaut werden und das wird dauern. Zumal auf die Präfektur kein Verlass ist.
Wir brauchen weiter dringend eure Hilfe. Die CAMPO-Beraterinnen sind täglich im Katastrophengebiet unterwegs und im engen Kontakt mit den Betroffenen. Die Not ist groß, aber bis jetzt sind relativ wenig Spenden auf dem CAMPO-Konto eingegangen. Davon haben wir Schlafunterlagen und Decken gekauft. In den Häusern fehlt es ja an allem, z.B. wurden alle Kühlschränke zerstört und in den Tropen geht es nicht ohne Kühlschrank. CAMPO ist schon dabei, gebrauchte Kühlschränke einzusammeln, aber das bringt erhebliche Transportprobleme mit sich, weil sie von Rio aus kommen. Eine Gasflasche, um Kochen zu können, kostet € 15.-. Der Bedarf wird eng mit den Betroffenen bzw. den Vertretern der lokalen Gruppen abgestimmt, die sehr genau wissen, was die Menschen brauchen und woran es am Dringendsten fehlt. Es gibt auch Hilfe von der Präfektur, aber in sehr bürokratisierender und unzureichender Form, was bereits zu Konflikten mit den Bewohnern geführt hat.
Herzliche Grüße und vielen Dank für Eure Unterstützung,
Lutz Taufer, Rio de Janeiro









