Mit voller Wucht getroffen!

Hier ein Bericht der WFD-Projektmitarbeiterin Rosangela Angelo, Leiterin des Arbeitskreises Erziehung beim WFD Partner CAMPO. Sie berät und betreut mehr als 10 kommunale Kindertagesstätten. Im Herbst 2009 war sie zu den WFD 50-Jahre Feiern in Berlin. Sie schreibt am 9.4.2010: „Liebe Freundinnen und Freunde in Deutschland,
ich weiß nicht, ob euch in Berlin die dramatischen Nachrichten aus Rio erreicht haben. Nicht alle Orte hat die Flut gleichermaßen getroffen, aber mit voller Wucht traf es unsere Projektregion São Gonçalo.

Die Gemeinden Marina und Palmeirinhas wurden völlig überschwemmt. Alles, aber auch alles, wurde zerstört. Um sich vor den Wassermassen zu retten, stiegen die Menschen auf die Dächer der wenigen mehrstöckigen Steinhäuser.

Ein Team von CAMPO fuhr sofort in die Gemeinden, um Hilfe zu bringen und was wir erlebten, war entsetzlich. Hunderte Personen obdachlos, einige hatten ihre Kinder verloren. Wir halfen, die Kinder zu suchen und trafen eine Erzieherin der Kindertagestätte Palmeirinhas, die von CAMPO betreut wird. Sie berichtete, wie es ihr gelungen ist, ihre Familie und einige Kinder zu retten: sie barg sieben Kinder in einer Plastikkiste, die sie zusammen mit ihrem Mann schwimmend fortbewegte. Sie erzählte, in den ersten Stunden wären die Betroffenen völlig auf sich allein gestellt gewesen. Da die Regenmassen in sehr kurzer Zeit herunterkamen, war die Feuerwehr völlig überfordert und kam erst nach Stunden. Kein Haus in Palmeirinhas blieb stehen, die Kindertagesstätte steht bis zum Dach unter Wasser. Aufgewühlt erzählt sie, dass sie alles verloren hätten. Aber sie sind froh, noch am Leben zu sein. Den anderen Erzieherinnen erging es ähnlich, einige von ihnen sind in Schutzhäusern, andere bei Verwandten untergekommen.

Das volle Ausmaß der Schäden wird man erst erkennen, wenn das Wasser wieder sinkt. Die Kindertagesstätte von Itaoca ist glücklicherweise halbwegs intakt geblieben, nur der Zugang ist sehr erschwert. Die Abflussrohre müssen dringend erneuert werden, eine Arbeit, die ohnehin für dieses Jahr geplant war. Vor der Gruppe stehen große Herausforderungen.

In São Francisco wurden die Kindertagestätten Jardim Catarina e Bom Retiro nicht so sehr betroffen wie die in Palmeiras. Die Abflüsse sind verstopft, die Straßen sind von Dreck versperrt, z.T. die Dächer beschädigt, aber all das kann später wiederhergestellt werden. Die Kindertagesstätte von Serpa dient als Zufluchtsstätte für viele Familien, die alles verloren haben. Wir sammeln Spenden für die heimatlos Gewordenen.

In Rio selbst ist die Lage noch sehr verzweifelt, zumal viele Gebiete noch von Erdrutschen bedroht sind. Viele Familien sind obdachlos geworden, die Suche nach Vermissten geht weiter.

Wir erleben einen sehr schwierigen Moment, aber wir hoffen, dass wir bald alles wiederaufbauen können, was wir verloren haben. Die Solidarität und Zärtlichkeit der Menschen ist das, was uns für die Zukunft Hoffnung macht.

Es grüßt euch Rosangela.“

Mehr Fotos gibt es auf dem Blog des CAMPO-Zentrums in Salgueiro.

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